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Delaware HB 162 könnte die Spielregeln im Bereich Network-Marketing grundlegend verändern. Der Gesetzesentwurf, der im Juni 2025 im Repräsentantenhaus von Delaware in einer überarbeiteten Fassung verabschiedet wurde (House Substitute 1 for HB 162), sieht umfassende Regulierungen für Multilevel-Marketing-Unternehmen (MLM) vor. Auch wenn das Gesetz aktuell noch nicht vollständig verabschiedet ist – die Zustimmung des Senats und die Unterzeichnung durch den Gouverneur stehen noch aus – ist bereits jetzt klar: Sollte es in Kraft treten, werden die Auswirkungen auf Direktvertriebsunternehmen, Vertriebspartner und auch Verbraucher in Delaware erheblich sein. Und möglich wäre dann auch eine rechtliche Ausweitung auf internationaler Ebene in der Branche. Aber zunächst geht es hier nur um de US-Staat Delaware.
Das Ziel ist mehr Transparenz, stärkere Verbraucherschutzmaßnahmen und klare Rahmenbedingungen für ein bislang oft unreguliertes Geschäftsmodell. In diesem Artikel erklären wir detailliert, was genau Delaware HB 162 vorsieht, wer davon betroffen ist, welche Regelungen konkret geplant sind und welche rechtlichen Konsequenzen bei Nichteinhaltung drohen.
Im Juni 2025 wurde der Gesetzentwurf HB 162 von der Abgeordneten Melanie Ross Levin (D–13. Bezirk) zusammen mit Senatorin Stephanie Hansen eingebracht. Der ursprüngliche Entwurf wurde im Verlauf der Legislatur überarbeitet. Am 10. Juni 2025 wurde dann die Fassung House Substitute 1 for House Bill 162 in das Repräsentantenhaus eingebracht. Diese überarbeitete Version wurde am 18. Juni 2025 angenommen [3], muss aber noch vom Senat behandelt werden. Das Inkrafttreten erfolgt erst nach vollständiger gesetzlicher Verabschiedung und Unterschrift durch den Gouverneur.
Das Hauptziel von HB 162 ist es, die Rechte potenzieller und bestehender MLM-Teilnehmer durch Informationspflichten, Rücktrittsrechte und Rückkaufgarantien zu stärken. Der Gesetzentwurf reagiert unter anderem auf eine von der US Federal Trade Commission zitierte Zahl: Rund 99 % der MLM-Teilnehmer verlieren Geld.
Unternehmen müssen potenziellen Teilnehmern mindestens 48 Stunden vor Vertragsabschluss ein klar strukturiertes Informationsblatt zur Verfügung stellen, dass u.a. Folgendes enthalten muss:
MLM-Unternehmen müssen unverkaufte, wiederverkäufliche Waren mit mindestens 90 % Rückerstattung zurücknehmen. Die Rückzahlung muss in derselben Zahlungsform erfolgen wie der ursprüngliche Kauf.
Teilnehmer haben das Recht, innerhalb von drei Monaten nach Vertragsabschluss oder Warenerhalt ohne Angabe von Gründen vom Vertrag zurückzutreten.
Das Gesetz definiert erstmals präzise, was eine „Multilevel Distribution Company“ ist, und grenzt diese gegenüber anderen Berufsgruppen ab. Ausgenommen sind lizenzierte Versicherungsagenten, Immobilienmakler und Wertpapierhändler.
Verboten Praktiken sind unter Anderem Verpflichtende Produktkäufe ohne Rückkaufoption, Irreführende oder nicht belegbare Einkommensversprechen und Beitrittsgebühren ohne gleichzeitiges Rücktrittsrecht.
Delaware HB 162 betrifft eine breite Gruppe von Akteuren innerhalb der Network-Marketing-Branche im US-Bundesstaat Delaware. Sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen – insbesondere solche, die Multilevel-Marketing-Strukturen nutzen – müssen sich auf neue Pflichten und Risiken einstellen. Aktuell ist dies nur in Delaware der Fall. Möglich ist aber, dass eine solche Richtlinie sich auch international auf die Branche ausweiten kann. Wenn dies der Fall ist, berichten wir natürlich darüber.
Für Vertriebspartner in Delaware bedeutet das Gesetz eine Stärkung ihrer rechtlichen Position, aber auch eine höhere Verantwortung.
Schutz durch Informationsrechte:
Sie müssen mindestens 48 Stunden vor Vertragsunterzeichnung ein strukturiertes Offenlegungsdokument erhalten, das transparente Informationen über Verdienstmöglichkeiten, Rückkaufregelungen und etwaige Kosten enthält.
Starkes Widerrufsrecht:
Vertriebspartner dürfen innerhalb von drei Monaten nach Vertragsabschluss oder erster Lieferung ohne Angabe von Gründen kündigen.
Produktrücknahme:
Wollen sie aus dem Programm aussteigen, muss das Unternehmen mindestens 90 % des Warenwerts unverkaufter Produkte zurückerstatten, vorausgesetzt, die Waren sind wiederverkäuflich.
Zielgruppenbesonderheiten:
Laut Gesetzesbegründung ist die Maßnahme auch eine Reaktion darauf, dass MLM-Firmen gezielt wirtschaftlich benachteiligte Gruppen wie Hausfrauen, Militärehepartner oder Pflegepersonen ansprechen [1]. Viele dieser Menschen verschulden sich für den Einstieg, häufig durch Kreditkartenzahlung.
Multilevel-Marketing-Unternehmen (MLMs), die in Delaware tätig sind, unterliegen umfangreichen neuen Compliance-Pflichten.
Pflicht zur Offenlegung:
Alle MLM-Firmen müssen quartalsweise aktualisierte Informationsdokumente erstellen und potenziellen Teilnehmern bereitstellen. Diese müssen u. a. enthalten:
Produkt-Rückkauf: Kein Unternehmen darf Produktkäufe oder Teilnahmegebühren verlangen, ohne eine dokumentierte Rückkaufregelung anzubieten.
Ausnahmen: Nicht betroffen vom Gesetz sind bestimmte lizenzierte Berufsgruppen, z. B. Versicherungsagenten, Makler und Wertpapierhändler, sofern deren Tätigkeit klar abgrenzbar ist.
Obwohl Verbraucher selbst nicht direkt Gegenstand des Gesetzes sind, profitieren sie durch die gestiegene Transparenz und Kontrolle indirekt.
Mehr Marktübersicht: Kunden erfahren künftig mehr über das Geschäftsmodell hinter dem Produktverkauf, insbesondere über den Grad der Marktdurchdringung, wenn Unternehmen offenlegen müssen, wie viele Vertriebspartner aktiv sind.
Kostenrisiko: Gleichzeitig könnten MLM-Produkte teurer werden, wenn Firmen die Kosten der Compliance (z. B. Rückkäufe, Informationsmaterialien) auf ihre Verkaufspreise umlegen.
Mit Delaware HB 162 kommen weitreichende Veränderungen auf aktive Network Marketer und ihre Unternehmen zu. Wer im Direktvertrieb tätig ist, muss Geschäftsabläufe, Vertragsgestaltung und Kommunikationsstrategien an die neuen Regelungen anpassen.
MLM-Unternehmen müssen ihre Verträge, Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sowie sämtliche Vertriebsunterlagen gründlich überarbeiten.
Folgende Elemente müssen zwingend enthalten sein:
„Es kann keine Garantie für Einkommen oder Einkommensspannen gegeben werden.“
Das Gesetz legt einen hohen Maßstab an Transparenz vor Vertragsabschluss. Alle potenziellen Teilnehmer müssen mindestens 48 Stunden vor einer verbindlichen Vereinbarung ein Informationsdokument erhalten.
Dieses muss quartalsweise aktualisiert werden und folgende Punkte enthalten:
Praktische Folge: Network Marketer müssen sich intensiv mit diesen Dokumenten vertraut machen. Wer potenziellen Neulingen falsche oder abweichende Angaben macht, riskiert:
Die bisherigen Rekrutierungspraktiken vieler MLM-Strukturen stehen durch HB 162 massiv unter Druck – vor allem dort, wo mit überhöhten Erwartungen geworben wurde.
Nicht mehr zulässig:
Ethische und rechtliche Standards erfordern nun:
Ein alarmierender Faktor, den HB 162 adressiert: Laut FTC finanzieren fast ein Drittel aller neuen Teilnehmer ihre Einstiegskosten mit Kreditkarten. Das Gesetz will genau solchen Risikosituationen durch Pflichtinformationen vorbeugen.
Die tägliche Praxis im Network Marketing wird durch HB 162 strukturierter, aber auch rechtlich sensibler. Marketer müssen:
Verstöße gegen die Bestimmungen des Gesetzes können nicht nur zum Vertragsverlust führen, sondern auch zu zivilrechtlicher Haftung mit Schadensersatz in dreifacher Höhe des tatsächlichen Schadens – zuzüglich Gerichts- und Anwaltskosten.
Verstöße gegen die Vorgaben des Delaware HB 162 können für Network Marketer und Unternehmen ernste Konsequenzen haben – sowohl finanziell als auch juristisch.
Netzwerkverkäufer, die gegen das Gesetz verstoßen, beispielsweise durch irreführende Einkommensaussagen oder das Verschweigen des Widerrufsrechts, können:
Das Gesetz sieht vor, dass der Schadensersatz bis zum dreifachen Betrag des entstandenen Schadens steigen kann. Dazu kommen meist noch die Kosten für Anwälte und Gerichtsverfahren. Diese drohenden Kosten sollen abschreckend wirken und die Einhaltung der Vorschriften erzwingen.
Viele MLM-Unternehmen haben bereits interne Richtlinien erlassen, die den Vorgaben von HB 162 entsprechen. Bei Verstößen gegen diese Unternehmensrichtlinien drohen:
Diese Maßnahmen dienen auch dem Schutz des gesamten Unternehmensimages.
Neben zivilrechtlichen Maßnahmen sind auch behördliche Sanktionen möglich, vor allem wenn systematisch gegen das Gesetz verstoßen wird.
Praktische Tipps zur Vermeidung von Risiken
Wer die neuen Regeln von Delaware HB 162 ernst nimmt und in der Praxis umsetzt, minimiert sein Haftungsrisiko erheblich und trägt zu einem faireren und transparenteren Direktvertrieb bei.
Um den Anforderungen des Delaware HB 162 gerecht zu werden und rechtliche Risiken zu minimieren, sollten Network Marketer folgende Empfehlungen beachten:
Durch die konsequente Umsetzung dieser Best Practices stärken Network Marketer ihr Ansehen, erhöhen die Kundenzufriedenheit und reduzieren die Gefahr von Rechtsstreitigkeiten.
Wir stehen Ihnen mit unseren erfahrenen Anwälten für MLM-Recht und Vertriebsrecht sehr gerne zur Verfügung. Unser Team berät Sie fachlich versiert und kaufmännisch zielorientiert. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne auch telefonisch zur Verfügung.