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Ermittlungen gegen PayPal, Visa und Mastercard


Digitale Bezahldienste geraten in der letzten Zeit vermehrt in den Fokus der Wettbewerbsbehörden. Nun sorgt eine neue Untersuchung der britischen Finanzaufsicht FCA international für Aufmerksamkeit. Unter Verdacht stehen dabei die großen Zahlungsanbieter PayPal, Visa und Mastercard. Mit dem Verfahren stellt sich die Frage, wie fair ist der Wettbewerb rund um digitale Geldbörsen und moderne Bezahlsysteme tatsächlich?

Auch für Unternehmen und Verbraucher in Deutschland ist die Entwicklung relevant. Entscheidungen britischer Aufsichtsbehörden gelten häufig als wichtiger Hinweis darauf, welche regulatorischen Diskussionen und Prüfungen künftig auch in Europa an Bedeutung gewinnen könnten.

Im Folgenden schauen wir uns den aktuellen Fall genauer an.


Die britische Finanzaufsicht untersucht digitale Wallet-Strukturen

Die britische Finanzaufsicht FCA prüft derzeit, ob PayPal, Visa und Mastercard den Wettbewerb bei digitalen Bezahldiensten möglicherweise eingeschränkt haben. Gegenstand der Untersuchung sind unter anderem Vertragsbedingungen, technische Einbindungen und finanzielle Anreizsysteme rund um digitale Wallets und Kreditkartennetzwerke.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Zusammenarbeit zwischen PayPal sowie den beiden großen Kartenanbietern Visa und Mastercard. Die FCA untersucht, ob die marktstarke Stellung der Unternehmen Einfluss darauf genommen haben könnte, wie digitale Geldbörsen funktionieren und welche Anbieter Zugang zu bestimmten Zahlungsstrukturen erhalten.

Die Untersuchung basiert auf dem britischen Competition Act von 1998 und reiht sich in eine breitere internationale Diskussion über die Marktmacht großer Zahlungsdienstleister ein. Gerade im Bereich digitaler Zahlungen können bereits kleine Änderungen bei Gebühren, technischen Standards oder Vertragsbedingungen erhebliche Auswirkungen auf Händler, Verbraucher und kleinere Wettbewerber haben.

Bislang handelt es sich ausdrücklich um ein laufendes Ermittlungsverfahren und noch nicht um eine Feststellung rechtswidrigen Verhaltens.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Die FCA hat ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet.
  • Betroffen sind PayPal, Visa und Mastercard.
  • Geprüft werden Vertragsbedingungen und Anreizsysteme bei digitalen Wallets.
  • Grundlage ist der britische Competition Act von 1998.
  • Hintergrund sind mögliche Wettbewerbsbeschränkungen im Zahlungsverkehr.
  • Die Untersuchung hat auch Signalwirkung für Europa und die EU.
  • Bislang liegt keine endgültige Entscheidung oder Sanktion vor.

Was ist der Competition Act?

Der Competition Act 1998 bildet die zentrale Grundlage des britischen Kartellrechts. Er untersagt insbesondere wettbewerbsbeschränkende Vereinbarungen zwischen Unternehmen sowie den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung.

Erfasst werden Geschäftspraktiken, die den Wettbewerb im Vereinigten Königreich beeinträchtigen oder dort spürbare Auswirkungen haben. Dazu zählen etwa Preisabsprachen, Marktaufteilungen, Einschränkungen bei Produktion oder Investitionen sowie benachteiligende Vertragsbedingungen.

Für die Durchsetzung ist vor allem die Competition and Markets Authority (CMA) zuständig. Sie kann Untersuchungen einleiten, Verstöße ahnden und empfindliche Sanktionen verhängen. Auch betroffene Unternehmen oder Verbraucher können unter bestimmten Voraussetzungen rechtliche Schritte einleiten.


Warum die Ermittlungen gerade jetzt kommen

Der Zeitpunkt der Untersuchung hängt eng mit dem rasanten Wachstum digitaler Wallets zusammen. In Großbritannien hat sich deren Bedeutung bei Kartenzahlungen innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöht. Während digitale Geldbörsen 2023 noch einen vergleichsweise kleinen Anteil ausmachten, laufen inzwischen deutlich mehr Zahlungen über solche Dienste. Je stärker sich digitale Wallets im Alltag durchsetzen, desto wichtiger wird die Frage, ob Zugang, Gebühren und technische Einbindung fair ausgestaltet sind.

Für PayPal kommt das Verfahren in einer ohnehin angespannten Unternehmensphase. Das Unternehmen befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau und will stärker auf Technologie, Automatisierung und Künstliche Intelligenz setzen. Gleichzeitig sind erhebliche Kostensenkungen und Stellenstreichungen angekündigt. Die kartellrechtliche Prüfung trifft den Konzern damit zu einem Zeitpunkt, an dem Geschäftsmodell, Marktposition und strategische Ausrichtung ohnehin neu sortiert werden.

Auch die Kapitalmärkte reagierten sensibel auf die Nachricht. Nachdem PayPal bereits zuvor auf eine mögliche Untersuchung hingewiesen hatte, sorgte die offizielle Einleitung des Verfahrens für deutliche Kursbewegungen. Das zeigt, wie stark regulatorische Risiken inzwischen in die Bewertung großer Zahlungsdienstleister einfließen. Für Visa und Mastercard fällt die Untersuchung ebenfalls ins Gewicht, weil ihre Netzwerke für digitale Zahlungen eine zentrale Infrastruktur bilden und jede Änderung bei Verträgen oder Anreizsystemen große Marktauswirkungen haben kann.


Was ist die digitale Geldbörse?

Eine digitale Geldbörse ist eine App oder ein digitaler Dienst, in dem Zahlungsdaten wie Karten oder Tickets gespeichert werden, womit anschließend online oder im Geschäft bezahlt werden kann. Sie ersetzt das klassische Portemonnaie teilweise oder ganz und macht kontaktloses Bezahlen besonders einfach.

Vorteile

  • Bequem, weil Karten und Tickets digital gespeichert sind
  • Schnelles Bezahlen im Alltag
  • Kontaktloses Bezahlen ist leicht möglich
  • Oft zusätzliche Sicherheit durch Fingerabdruck, Face ID oder PIN
  • Auch Bordkarten, Kundenkarten oder Tickets können gespeichert werden

Nachteile

  • Abhängig von Smartphone, Akku und Technik
  • Bei Verlust oder Defekt des Geräts kann der Zugriff schwierig werden
  • Nicht überall werden digitale Geldbörsen akzeptiert
  • Datenschutz kann ein Thema sein
  • Sicherheitsrisiken steigen bei unsicheren Geräten oder schwachen Passwörtern


Regulierungsdruck auf digitale Zahlungsplattformen wächst

Die Ermittlungen treffen PayPal hart, da der Zahlungsdienstleister aktuell vor tiefgreifenden Veränderungen steht. Zwar konnte das Unternehmen im ersten Quartal 2026 Umsatz und Zahlungsvolumen weiter steigern, gleichzeitig ging jedoch der Nettogewinn zurück. Besonders kritisch reagierten die Märkte auf den vorsichtigen Ausblick für die kommenden Monate und die angekündigten Umbaupläne. PayPal setzt verstärkt auf Automatisierung und Künstliche Intelligenz, verbunden mit erheblichen Einsparungen und einem umfassenden Konzernumbau.

Parallel wächst weltweit der regulatorische Druck auf große Zahlungsplattformen und digitale Gatekeeper im Allgemeinen. Bereits zuvor hatten Wettbewerbsbehörden unter anderem die Wallet-Strukturen von Apple und Google untersucht.

Sollten sich Hinweise auf wettbewerbswidrige Strukturen bestätigen, könnten Änderungen bei Verträgen, Zugangsbedingungen oder Gebührenmodellen folgen. Auch für Europa hat das Verfahren deshalb erhebliche Bedeutung. Zwar entfaltet eine britische Untersuchung keine direkte Rechtswirkung in der EU, dennoch beobachten europäische Wettbewerbsbehörden solche Verfahren sehr genau. Häufig entstehen daraus neue Prüfungen, strengere regulatorische Anforderungen oder Anpassungen bei Marktstandards.

Für Unternehmen im Zahlungs-, Plattform- und E-Commerce-Bereich steigt damit die Bedeutung kartellrechtlicher und regulatorischer Compliance. Aus unserer Sicht empfiehlt es sich, Vertragsstrukturen, Kooperationsmodelle, Plattformzugänge und Gebührenmechanismen frühzeitig rechtlich prüfen zu lassen. Gerade bei digitalen Geschäftsmodellen entwickeln sich Wettbewerbsrecht, Plattformregulierung und Zahlungsverkehr derzeit mit hoher Geschwindigkeit weiter.


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