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| Lebensmittelrecht, Wettbewerbsrecht

Insekten als Lebensmittel: Wie viel Insekt ist in unserem Essen?


Wie Mehlwürmer und Heuschrecken bald unsere Ernährung dominieren könnten

Insekten zu essen und weiter zu verwerten, ist in vielen Ländern schon Normalität. Besonders im asiatischen Raum sind Insekten kaum noch als Lebensmittel wegzudenken. Von Mehlwurm über Heuschrecke ist alles dabei, was sich zum Verzehr eignet. Langsam kommen Insekten auch bei uns als Lebensmittel in den Essensregalen als sogenanntes Novel Food vor.

Insekten als Novel Food

Als Novel Food, was „neuartige Lebensmittel“ auf Deutsch bedeutet, werden Lebensmittel bezeichnet, welche (noch) nicht weit verbreitet oder sehr bekannt sind. Daher zählen auch Lebensmittel zum Novel Food, die eher in anderen Kulturkreisen verzehrt werden. Welche Lebensmittel als Novel Food gelten, richtet sich nach der Novel Food-Verordnung der Europäischen Union von 1997. Dabei werden Lebensmittel nach dem Kriterium des „nennenswerten Verzehrs“ beurteilt. Nach der Novel Food-Verordnung gelten ganze Insekten, Insektenteile und aus Insekten gewonnene Inhaltsstoffe in der EU als Novel Food.

Insekten sind also ein klassisches Beispiel für Novel Food, da das hauptsächlich in Asien verzehrte Lebensmittel in Deutschland nicht weit verbreitet ist. Doch das soll sich scheinbar zeitnah ändern.

Insekten als Lebensmittel in Deutschland

Da Insekten in der EU als Novel Food gelten, müssen diese zugelassen werden, denn während im allgemeinen Lebensmittel im Rahmen der lebensmittelrechtlichen Bestimmungen ohne vorherige Zulassung in den Verkehr gebracht werden können, bilden Novel Foods eine Ausnahme. Mehlwürmer, Heuschrecken und andere Insekten müssen also einzeln überprüft und durch die Europäische Kommission zugelassen werden. Das erste Insekt, welches zugelassen wurde, ist der gelbe Mehlwurm.

Mehlwürmer als Lebensmittel

Der gelbe Mehlwurm ist die getrocknete Larve des Mehlkäfers, welcher den lateinischen Namen Tenebrio molitor trägt. Die meisten werden der gelbe Mehlwurm als Tierfutter womöglich schon kennen, doch nun kann er auch auf unserem Teller als offizielles Lebensmittel liegen. Denn der gelbe Mehlwurm wurde im Mai 2021 als erstes Insekt in der EU als Lebensmittel zugelassen und machte somit den Start für die insektenreiche Ernährung. Zuvor galt für den gelben Mehlwurm eine Übergangsregelung, welcher die Vermarktung des Insekts auch schon vorher erlaubte.

Der gelbe Mehlwurm darf allerdings nur als Ganzes oder gemahlen verkauft werden. Mehlwürmer bieten wie fast alle Insekten sehr gute Nährwerte. So haben 100 Gramm der Tiere etwa 50 Gramm Eiweiß. So bietet der gemahlene Mehlwurm die perfekte Grundlage für Proteinprodukte. Zudem könnte der gemahlene Mehlwurm in vielen Lebensmitteln als Mehlersatz verwendet werden, oder das „normale“ Mehl ergänzen, denn bis zu einem Anteil von 10 Prozent, darf der Mehlwurm verwendet werden.

Heuschrecken als Lebensmittel

Die europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) folgte kurz nach dem gelben Mehlwurm und erhielt im November 2021 ebenfalls die Zulassung. Die europäische Wanderheuschrecke darf ebenfalls gemahlen verkauft werden, außerdem darf sie, wenn sie keine Flügel und Beine mehr besitzt, gefroren und getrocknet vertrieben werden. Auch bei der Wanderheuschrecke gibt es viele Einsatzmöglichkeiten, so kann diese ebenfalls als Mehl in Nudeln, aber auch als Beilage in Suppen oder Salaten verwendet werden.

Grille als Lebensmittel

Die Hausgrille (Acheta domesticus), oder auch Heimchen genannt, ist das dritte Insekt, welches als Lebensmittel anerkannt wird und Anfang 2022 die Zulassung erhalten hat. Die Hausgrille kann ebenso wie die europäische Wanderheuschrecke gefroren, getrocknet und zu Pulver vermahlen verkauft werden und das anders als bei der Heuschrecke auch im Ganzen. Besonders für Backwaren und in der Fleischzubereitung könnte die Anwendung der Grille liegen.

Weitere Insekten folgen

Neben dem gelben Mehlwurm, der Heuschrecke und der Grille, stehen auch noch andere Insekten vor der Zulassung in der EU. So wurden Zulassungsanträge für den Bufallowurm, die Larve der schwarzen Soldatenfliege, oder auch für die Honigbienendrohnenbrut gestellt. Bis zur Zulassung gilt auch für diese Insekten die Übergangsregelung, welche bis zur endgültigen Entscheidung die Vermarktung erlaubt. Wie viele der rund 2000 essbaren Insektenarten in Zukunft also in unseren Supermärkten zu finden sind, bleibt offen, doch die Zahl wächst.

Risiken beim Verzehr von Insekten

Der Verzehr von Insekten gilt nach der wissenschaftlichen Bewertung durch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als gesundheitlich unbedenklich, dennoch kann es bei Personen zu allergischen Reaktionen kommen, wenn diese allergisch auf Krebs- und Weichtiere, oder auch Hausstaubmilben reagieren. Zudem könnten Insekten möglicherweise Krankheiten übertragen, durch die Neuartigkeit gibt es nur wenig Informationen über Krankheiten, welche die Insekten haben könnten und auch klare Vorgaben für Insekten produzierende und verarbeitende Betriebe fehlen zurzeit noch.

Auch wenn, es für den ein oder anderen vielleicht noch befremdlich ist, Insekten als Novel Food auf seinem Teller zusehen, könnten Insekten in der Zukunft viele Möglichkeiten bieten.

Warum Insekten essen?

Neben den vielen Einsatzmöglichkeiten von Insekten bieten diese offensichtlich auch sehr gute Nährwerte. Neben dem hohen Protein Werten haben die Insekten nämlich auch noch wichtige Mineralstoffe, Vitamin B und Omega-3-Fettsäuren. Im Vergleich zu herkömmlichem Fleisch, wie Schwein und Rind, sind Insekten zudem klimafreundlicher, durch einen geringen Verbrauch an Platz und Wasser. Ebenfalls sind Insekten eine nachhaltige Alternative, denn im Schnitt wird mit 80 Prozent doppelt so viel von dem Insekt verwendet und gegessen, als es bei herkömmlichem Fleisch wie z.B. beim Rind mit etwa 40 Prozent der Fall ist.

Insekten zu Essen und zu verwerten ist in vielen Ländern schon Normalität, rund 2 Milliarden Menschen essen die Insekten, welche hierzulande noch als Novel Food gelten, doch vielleicht wird es auch bei uns bald zur Normalität. Wer weiß...


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