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KI und Recht: Muss sich das Rechtssystem neu erfinden?


Richard Susskind über künstliche Intelligenz und die Zukunft des Rechts

Künstliche Intelligenz verändert bereits heute Wirtschaft, Gesellschaft und die juristische Praxis. Während Unternehmen zunehmend auf KI-Systeme setzen und Regierungen weltweit neue Regelwerke wie den europäischen AI Act schaffen, gehen einige Experten noch deutlich weiter. Eine der bekanntesten Stimmen in diesem Bereich ist der britische Rechtswissenschaftler Richard Susskind. In seinem aktuellen Buch "How To Think About AI" beschäftigt er sich nicht nur mit der Zukunft der Anwaltschaft oder der Digitalisierung von Gerichten. Vielmehr stellt er die grundlegende Frage, ob sich das gesamte Rechtssystem im Zeitalter der künstlichen Intelligenz neu erfinden muss. Susskind gilt seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Vordenker im Bereich Legal Tech und KI-Recht. Bereits in den 1980er Jahren beschäftigte er sich mit der Frage, wie Technologie juristische Arbeit verändern könnte. Seine aktuellen Überlegungen gehen jedoch weit über die Rechtsbranche hinaus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Gesellschaft, Politik und Recht auf immer leistungsfähigere KI-Systeme reagieren müssen und ob sich das Rechtssystem durch KI neu erfinden muss. 

KI mit menschlichen Fähigkeiten - näher als gedacht?

Nach Ansicht von Susskind wird die Entwicklung künstlicher Intelligenz häufig unterschätzt. Entscheidend sei nicht der aktuelle Stand der Technik, sondern die Geschwindigkeit der Entwicklung. Denkbar sei, dass KI-Systeme in Zukunft menschliche Denkfähigkeiten erreichen („Artificial General Intelligence“) oder diese sogar weit übertreffen. Deshalb müsse sich die Gesellschaft schon heute mit möglichen Folgen beschäftigen. Bestehende Rechtsordnungen seien nicht darauf ausgelegt, mit autonomen und lernfähigen KI-Systemen umzugehen. Gerade Fragen der Verantwortung und Haftung könnten künftig erhebliche Probleme verursachen.

Warum künstliche Intelligenz das Recht vor neue Probleme stellt

Susskind sieht zahlreiche Risiken durch künstliche Intelligenz. Dazu gehören Deepfakes, digitale Überwachung, algorithmische Diskriminierung oder massive wirtschaftliche Veränderungen durch den Wegfall von Arbeitsplätzen. Hinzu kommen mögliche Gefahren durch autonome KI-Systeme, deren Entscheidungen kaum noch kontrollierbar sind. Besonders schwierig wird die Frage der Haftung. Wer trägt die Verantwortung, wenn ein KI-System Schäden verursacht? Entwickler, Betreiber oder Nutzer? Nach Ansicht von Susskind reichen klassische Haftungsmodelle dafür langfristig möglicherweise nicht mehr aus. Auch der europäische Gesetzgeber reagiert bereits auf diese Entwicklung. Mit dem europäischen AI Act entstehen neue Regeln für Unternehmen, die künstliche Intelligenz entwickeln oder einsetzen. Themen wie Transparenz, Risikobewertung und Compliance gewinnen dadurch immer stärker an Bedeutung.


Muss sich auch die Justiz verändern?

Susskind ist überzeugt, dass sich nicht nur Unternehmen, sondern auch Gerichte und Gesetzgeber anpassen müssen. Gesetzgebungsverfahren müssten deutlich schneller werden, um mit technologischen Entwicklungen Schritt halten zu können. Gleichzeitig könnten digitale Verfahren und KI-gestützte Systeme Gerichte effizienter machen. Dennoch bleiben erhebliche rechtliche und ethische Fragen offen. Gerade im Bereich der Justiz sind Transparenz, Nachvollziehbarkeit und der Schutz grundlegender Rechte besonders wichtig. Vollautomatisierte Entscheidungen durch KI bergen daher erhebliche Risiken für den Rechtsstaat.

KI und Recht: Stehen wir erst am Anfang?

Für Richard Susskind steht fest, dass künstliche Intelligenz die Gesellschaft langfristig tiefgreifend verändern wird. Gleichzeitig hält er ein pauschales Verbot von KI weder für realistisch noch für sinnvoll. Gerade in Bereichen wie Medizin, Bildung oder Justiz könne künstliche Intelligenz große Chancen bieten. Entscheidend werde daher sein, wie Gesetzgeber, Unternehmen und Gerichte mit den Risiken umgehen. Unternehmen sollten sich frühzeitig mit Fragen der KI-Regulierung, Haftung und Compliance beschäftigen, um rechtliche Risiken zu vermeiden.


SBS LEGAL - Kanzlei für KI-Recht

Künstliche Intelligenz wirft schon heute zahlreiche rechtliche Fragen auf. Unternehmen müssen prüfen, welche regulatorischen Vorgaben gelten und wie sich Haftungs- und Datenschutzrisiken minimieren lassen.

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