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Ponzi-System: Wenn das „Arbeiten von zu Hause“ teuer wird...


Ca. 100.000 € Strafe für einen YouTuber, der Ponzi-Systeme in Polen beworben hatte

Der Präsident des Amtes für Wettbewerb und Verbraucherschutz (UOKiK) verhängte erstmalig eine Geldstrafe von fast 100.000 € gegen einen YouTuber aufgrund der Förderung von Pyramidenwerbesystemen.

Der polnische YouTuber, der von der Werbung für unterschiedliche Investitionen lebte, veröffentlichte regelmäßig Materialien und Aufnahmen auf seiner Website und seinem YouTube Kanal durch die er seine Zuschauer ermutigte bei verschiedenen Systemen zu partizipieren. Hiermit unterstützte er Schneeballsysteme bzw. Ponzi-Systeme, die Gewinne für das Anwerben neuer Kunden in Aussicht stellten. Die Organisation und Förderung solcher Systeme ist als unlautere Marktpraxis jedoch gesetzlich untersagt. Die Durchführung des Verfahrens ergab, so der Präsident von UOKiK, dass der YouTuber in Folge der Unterstützung solcher Systeme gemeinschaftliche Verbraucherinteressen verletzt habe.


Woran erkennt man ein Schneeballsystem bzw. Ponzi-System?

Pyramidenwerbesysteme sind sowohl nach polnischen als auch nach europäischen Recht untersagt, da die Verbraucher durch deren Aktivitäten erhebliche finanzielle Verluste davontragen. Eines der essenziellsten Bestandteiles eines solchen Unternehmens bilden die so genannten „Schlepper“. Diese treiben wissentlich und entgeltlich „Projekte“ voran und locken konstant Verbraucher an, damit diese an den „Projekten“ teilnehmen. Dabei werden ihnen

Vergütungen und Vorteile versprochen, die nicht vom Verkauf von Produkten, sondern vielmehr von der Rekrutierung weiterer Teilnehmer abhängen. Pyramidenwerbesysteme sind auf diese Vorgehensweisen angewiesen, da sie ansonsten außer Stande wären erfolgreich neue Mitglieder anzuwerben.

Man kann das Schneeballsystem bzw. Ponzi-System im Grunde wie folgt zusammenfassen: Nachdem man eine Summe eingezahlt hat, empfiehlt man andere Personen und bekommt dafür eine Vergütung. Dieses Geld kommt direkt aus der Brieftasche der Personen, die Sie angeworben haben. Damit wird das System von Ihnen selbst, Ihren Kontaktpersonen und wiederum deren Freunden finanziell aufrechterhalten. Bis zu dem Zeitpunkt, wo es zusammenbricht, da das Geld nicht in Vermögenswerte fließt und somit keine Gewinne generiert werden. Stattdessen profitieren die Organisatoren und Personen, die an der Spitze des Systems stehen. Solange weiterhin Personen beitreten und fleißig Geld einzahlen, kann das System weiterhin bestehen. Diese kontinuierliche Erhöhung der Geldmenge ist jedoch auf Dauer nicht möglich. Schneeballsysteme bzw. Ponzi-Systeme werden oft unter dem Deckmantel von „Investionen“, „Verdienen von zu Hause“ und „Werbeplattformen“ durch prominente Personen angepriesen. So wie im Fall des polnischen YouTubers.

Unternehmen und Netzwerke

Der YouTuber und Unternehmer hatte auf seiner Website und in Aufzeichnungen, die man bis 2019 bei YouTube einsehen konnte, ein Geschäft betrieben bei dem er Verbraucher dazu bringen wollte sich bei unterschiedlichen Systemen anzumelden. Dazu postete er auffordernde Beiträge oder lockte mit Reisen in fremde Länder. Als Beweis für den Erfolg veröffentlichte er angebliche Auszüge seines Bankkontos. Partner, Vertrieb, MLM, System

So warb er zum einen für Firmen und Werbeplattformen, die von Firmen aus Dubai betrieben wurden. Dort sollten sich Verbraucher registrieren. Diese stellten Entschädigungen für die Einführung neuer Personen in das System in Aussicht, wenn sie Neuankömmlinge zum Erwerb von Teilnahmepaketen überreden konnten. In erster Linie hing der Ertrag von der Einführung neuer Mitglieder in das System ab.

Des Weiteren warb der YouTuber ebenfalls für ein Netzwerk, welches eine Initiative eines Unternehmens darstellte, das die Kryptowährung „OneCoin“ auf dem Markt etablieren wollte. Von der Firma wurden Lizenzen angeboten, die einen Wert von 100 oder 125 Tausend Euro hatten, und Gewinne garantiert, wenn man andere Personen überzeugen konnte Geld zu überweisen. Der YouTuber ermunterte die Internetnutzer Kredite aufzunehmen, um genügend Geld für den Erwerb von Folgepaketen, Status oder Lizenzen zu erhalten. Der Präsident von UOKiK bezeichnete diese Projekte als Schneballsysteme bzw. Ponzi-Systeme. Die Ermittlungen wurden eingeleitet.

Mit welcher Strafe ist zu rechnen?

Verstößt eine Aktivität gegen ein gemeinschaftliches Verbraucherinteresse, wird sie mit einer Höchststrafe von 10% des Umsatzes des Unternehmers aus dem vorangegangenen Jahr verfolgt. Unter den Begriff des „Unternehmers“ fallen nicht nur Personen, die im polnischen „Register der Gewerbetätigkeit“ registriert sind, sondern auch diejenigen, die in organisierter und kontinuierlicher Weise einer geschäftlichen Tätigkeit nachgehen und dabei Gewinne erzielen, so wie es z.B. bei der Einrichtung, Durchführung oder Förderung von Schneeballsystemen bzw. Ponzi-Systemen der Fall ist. Hiervon sind somit auch Influencer und Blogger eingeschlossen.

Neben der Geldstrafe von fast 100.000 Euro muss der betroffene YouTuber über seine unlauteren Praktiken und der Entscheidung des Präsidenten der UOKiK sowohl auf seiner Website als auch auf seinem YouTube Kanal berichten, wo er seine Stellungnahme in mündlicher Form darlegen und den Beitrag mit Hashtags versehen muss.

Der Präsident verhängte die nahezu maximale Geldstrafe, da er die „Schlepper“ aufgrund ihrer Förderung illegaler Investitionen im Internet, der Irreführung von Verbrauchern und der Täuschung mit Versprechungen von großen Gewinnen zur Rechenschaft ziehen wollte. Er kündigte zudem weitere Maßnahmen gegen Organisatoren und Förderern von Pyramidensystemen an, die bei einem hinreichenden Verdacht den Strafverfolgungsbehörden gemeldet werden. Im Fall des YouTubers ist die Entscheidung des Präsidenten von UOKiK nicht bindend. Der Unternehmer kann weiterhin Einspruch einlegen.


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