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Steuerrazzia: 7.000 Content Creator im Visier der Steuerfahndung


Wie kam es zu der Steuerrazzia gegen Influencer?

Die massive Aktion zur Steuerfahndung gegen Influencer bzw. Content Creator begann nicht über Nacht. Bereits 2021 stellte der Bayerische Oberste Rechnungshof nach stichprobenartiger Auswertung "erhebliche Ermittlungs- und Vollzugsdefizite bei der Besteuerung von Social-Media-Akteuren" fest. Diese Erkenntnisse legten nahe, dass in der Branche systematisch Steuerpflichten verletzt wurden. Eine Steuerrazzia durch ein spezilalisiertes Influencer-Team vom Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) übernimmt die Steuerfahndung.

Nordrhein-Westfalen übernahm daraufhin eine Vorreiterrolle und gründete als erstes Bundesland ein spezialisiertes "Influencer-Team" beim Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW). Dieses Team nutzte innovative Ermittlungsmethoden, um Werbepartnerschaften und Einnahmen zurückzuverfolgen – besonders bei kurzlebigen Inhalten wie 24-Stunden-Stories.

Sammelauskunftsersuchen und internationale Gruppenauskunftsersuchen: 60.000 Datensätze ausgewertet

Der Durchbruch kam durch sogenannte "Sammelauskunftsersuchen" an Social-Media-Plattformen. Diese gesetzliche Möglichkeit erlaubt es den Behörden, von einer Stelle Auskunft über eine unbekannte Anzahl von Sachverhalten mit noch nicht bekannten Personen zu erhalten. Zusätzlich stellte die Bayerische Steuerverwaltung internationale Gruppenauskunftsersuchen, wodurch insgesamt 60.000 Datensätze für ganz Deutschland mit einem potenziellen Umsatzvolumen von etwa 1,4 Milliarden Euro gewonnen wurden.

Seit Januar 2024 verstärkt das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) die Kontrolldichte weiter. Es verpflichtet Plattformbetreiber, steuerlich relevante Informationen an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden – bei Verstoß drohen Bußgelder bis 50.000 Euro pro Fall.

Die Analyse des dadurch gewonnenen Datenpakets mit 6.000 Datensätzen ergab allein für NRW einen strafrechtlich relevanten Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro. In der Folge laufen bereits 200 Strafverfahren gegen in NRW ansässige Influencer.

Welche Influencer sind betroffen? Steuerpflicht, Dubai-Masche und 300 Millionen Euro Steuerschaden

Im Fokus der aktuellen Ermittlungen stehen rund 7.000 Content Creator, die durch ihre Online-Präsenz regelmäßige Einnahmen generieren. Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in NRW betont jedoch, dass keineswegs Gelegenheits-Influencer im Visier sind: "Ausdrücklich nicht junge Menschen, die ein paar Follower gesammelt und ein paar Cremes oder Kleider beworben haben".

Die sogenannte „Dubai-Masche“: Wohnsitzverlagerung und fortbestehende Steuerpflicht

Stattdessen konzentrieren sich die Behörden auf professionelle Content Creator, die erhebliche Einkünfte nicht ordnungsgemäß versteuert haben. Insbesondere betrifft dies Influencer, die versuchen, durch angebliche Wohnsitzverlagerungen ins Ausland – häufig nach Dubai – der deutschen Steuerpflicht zu entgehen. Durch Analysen der Social-Media-Aktivitäten können die Ermittler den tatsächlichen Aufenthaltsort jedoch oft nachweisen.

Der steuerstrafrechtlich relevante Umfang des aktuellen Datenpakets beläuft sich allein in NRW auf rund 300 Millionen Euro, was die Dimension des Problems verdeutlicht. Betroffen sind sowohl Einkommensteuer, Gewerbesteuer als auch Umsatzsteuer.

Steuerhinterziehung bei Influencern: Technische Herausforderungen und Beweisführung

Grundsätzlich steuerpflichtig werden Influencer bereits ab dem Zeitpunkt, wenn ein "wirtschaftlicher Vorteil" entsteht – also sobald regelmäßig Einnahmen erzielt werden, sei es durch Geldleistungen, Affiliate-Marketing oder Sachzuwendungen wie Produktmuster, Reisen oder Hotelübernachtungen. Derzeit laufen allein in NRW bereits etwa 200 Strafverfahren gegen Influencer.

Herausforderungen bei der Aufklärung

Die Ermittler stehen bei der Aufklärung von Steuerhinterziehung im Influencer-Bereich vor besonderen technischen Herausforderungen. Besonders problematisch sind die flüchtigen Formate auf Social-Media-Plattformen: Bei Werbung in sogenannten "Stories", die nach 24 Stunden wieder verschwinden, gestaltet sich die Beweisführung äußerst schwierig.

Innovative Ermittlungsmethoden der Steuerfahndung NRW

Nordrhein-Westfalen hat jedoch innovative "Ermittlungsmethoden initiiert, um Werbepartnerschaften und -einnahmen zurückverfolgen und beweissicher nachweisen zu können". Diese Techniken wurden mittlerweile von anderen Bundesländern übernommen.

Eine weitere Hürde ist die sogenannte "Dubai-Masche": Influencer melden sich in Deutschland ab und verlagern ihren angeblichen Wohnsitz in Steueroasen wie Dubai, Zypern oder Malta. Dennoch bleiben sie beschränkt einkommensteuerpflichtig in Deutschland, wenn hier Einnahmen erzielt werden.

Zur Überprüfung werten Steuerfahnder die Social-Media-Kanäle aus, analysieren deren Reichweite und beworbene Produkte. Zudem müssen neben Geldeinnahmen auch geldwerte Vorteile wie kostenlose Produkte, Reisen oder Eventeinladungen versteuert werden.

Für rechtssichere Beweise entwickeln die Behörden daher spezielle Techniken zur Dokumentation digitaler Inhalte. Die Steuerfahndung NRW führt bereits rund 200 laufende Strafverfahren gegen dort lebende Influencer – ohne die Fälle aus dem aktuellen Datenpaket.

Fazit: Steuerrazzia gegen Influencer als Wendepunkt für die Branche

Die aktuelle Steuerrazzia gegen Influencer markiert zweifellos einen Wendepunkt für die gesamte Branche. Mit rund 7.000 Content Creator im Visier der Behörden und einem geschätzten Steuerschaden von 300 Millionen Euro allein in Nordrhein-Westfalen wird deutlich, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelt. Vielmehr zeigt sich ein systematisches Problem in der noch jungen Industrie.

300 Millionen Euro Steuerschaden: Kein Einzelfall, sondern systematisches Problem

Besonders bemerkenswert ist dabei die technische Entwicklung der Ermittlungsmethoden. Während flüchtige Inhalte wie 24-Stunden-Stories früher kaum nachverfolgbar waren, haben die Behörden mittlerweile effektive Werkzeuge entwickelt, um auch diese Werbeeinnahmen aufzuspüren. Das neue Plattformen-Steuertransparenzgesetz verstärkt zusätzlich die Kontrolldichte.

Wohnsitzverlagerung schützt nicht vor deutscher Steuerpflicht

Die sogenannte "Dubai-Masche" zeigt außerdem, dass viele Influencer durchaus Kenntnis ihrer Steuerpflichten haben – sonst würden sie nicht versuchen, diese durch Wohnsitzverlagerungen zu umgehen. Dennoch bleibt die deutsche Steuerpflicht für hier erzielte Einnahmen bestehen.

Mehr Professionalität und steuerliche Compliance für Content Creator

Für die Zukunft bedeutet dies einen Professionalisierungsschub in der Branche. Influencer werden künftig nicht umhinkommen, ihre Finanzen ordnungsgemäß zu strukturieren. Gleichzeitig müssen sie verstehen, dass auch Sachzuwendungen wie kostenlose Produkte, Reisen oder Hotelübernachtungen als "wirtschaftliche Vorteile" steuerpflichtig sind.

Die Behörden haben jedenfalls klargemacht: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – auch nicht für die digitale Prominenz. Angesichts der laufenden Strafverfahren und der technischen Aufrüstung der Steuerfahndung sollten Content Creator unbedingt für steuerliche Transparenz sorgen. Alles in allem markiert diese Entwicklung das Ende einer Ära steuerlicher Grauzone für deutsche Influencer.

FAQs zur Steuerrazzia in NRW

Warum führen die Behörden eine Steuerrazzia gegen Influencer durch?

Die Behörden haben erhebliche Steuerhinterziehung in der Influencer-Branche festgestellt. Allein in Nordrhein-Westfalen wurde ein Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro ermittelt, was zu umfangreichen Ermittlungen gegen etwa 7.000 Content Creator führte.

Welche Influencer sind von den Steuerermittlungen betroffen?

Im Fokus stehen professionelle Content Creator mit erheblichen, nicht ordnungsgemäß versteuerten Einkünften. Gelegenheits-Influencer mit wenigen Followern und geringen Werbeeinnahmen sind nicht das primäre Ziel der Ermittlungen.

Wie gehen die Behörden bei der Aufklärung von Steuerhinterziehung durch Influencer vor?

Die Ermittler nutzen innovative Methoden, um Werbeeinnahmen nachzuverfolgen, auch bei flüchtigen Inhalten wie Stories. Sie analysieren Social-Media-Aktivitäten, werten Daten von Plattformen aus und überprüfen angebliche Wohnsitzverlagerungen ins Ausland.

Ab wann werden Influencer steuerpflichtig?

Influencer werden steuerpflichtig, sobald sie regelmäßig Einnahmen oder wirtschaftliche Vorteile erzielen. Dies umfasst nicht nur Geldleistungen, sondern auch Sachzuwendungen wie Produktmuster, kostenlose Reisen oder Hotelübernachtungen.

Was bedeutet die Steuerrazzia für die Zukunft der Influencer-Branche?

Die Razzia markiert einen Wendepunkt für die Branche. Influencer müssen künftig ihre Finanzen professioneller und transparenter gestalten. Die verstärkte Kontrolle durch Behörden und neue Gesetze wie das Plattformen-Steuertransparenzgesetz werden die steuerliche Compliance in der Branche erhöhen.


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SBS Legal, als Kanzlei für das Steuerstrafrecht und Wirtschaftsstrafrecht, berät seit über 20 Jahren im allgemeinen Wirtschaftsrecht junge Unternehmer und Startups - national und international. Die aktuellen Ermittlungen gegen tausende Influencer zeigen deutlich, dass steuerliche Verstöße im digitalen Geschäftsmodell konsequent verfolgt werden. Ob Einkommensteuer, Gewerbesteuer oder Umsatzsteuer – bereits der Vorwurf einer Steuerhinterziehung kann weitreichende strafrechtliche und wirtschaftliche Folgen haben. Insbesondere bei komplexen Konstellationen wie Wohnsitzverlagerungen ins Ausland, geldwerten Vorteilen durch Sachzuwendungen oder nicht erklärten Werbeeinnahmen ist eine frühzeitige rechtliche Einordnung entscheidend. Wer von einem Auskunftsersuchen, einem Ermittlungsverfahren oder einer Durchsuchung betroffen ist, sollte keinesfalls unvorbereitet reagieren.

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