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| Arbeitsrecht

Urteil zum Crowdworking

Dr. Miriam Prinzen, LL. M.


Das Landesarbeitsgericht (LAG) München hat am Mittwoch entschieden, dass Crowdworker keine Arbeitnehmer sind, weil die Vereinbarung zwischen ihnen und den sie beauftragenden Internet-Plattformen keinen Arbeitsvertrag darstelle.

Wann liegt eigentlich ein Arbeitsvertrag vor?

Nach der gesetzlichen Definition liegt ein Arbeitsvertrag dann vor, wenn im Vertrag die Verpflichtung enthalten ist, weisungsgebundene fremdbestimmte Arbeit in persönlicher Abhängigkeit zu leisten. So also, wenn der Mitarbeiter Arbeitsanweisungen zu Inhalt, Zeit und Ort und der zu leistenden Arbeit vom Arbeitgeber erhält.

Was ist ein Crowdworker?

Crowdworker übernehmen mithilfe von Apps kleine Aufträge von Firmen oder Privaten und erhalten im Gegenzug dafür von ihnen Geld. So fotografieren sie zum Beispiel Produkte und deren Präsentation im Supermarkt. Für diese Aufträge ist eine bestimmte Zeitspanne zur Erledigung vorgegeben. Diese kleinen Aufträge werden dann von den Crowdworkern erledigt und an die Betreiber der Internetplattformen gesendet, die ihnen dafür einen bestimmten Betrag zahlen. Damit verdienen sich viele ein Extra-Geld im Monat dazu oder leben komplett davon.   

Worum geht es in dem Rechtsstreit?

In dem dem Gericht vorliegenden Fall klagte ein sog. Crowdworker gegen den Betreiber der Internetplattform, von der er regelmäßig Aufträge erhielt, und wollte gegen die Sperrung seines Accounts und somit Beendigung der Zusammenarbeit mit der Begründung vorgehen, er sei Arbeitnehmer des Betreibers der Internetplattform.   

Das Gericht sah dies anders und bewertete die Tätigkeit des Crowdworkers nicht als Angestelltenverhältnis sondern als Selbständigkeit. Deshalb stehe der Crowdworker nicht unter dem Arbeitnehmerschutz, wozu etwa Kündigungsfristen, Kranken- und Sozialversicherungsbeiträge oder Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall gehören. Zur Begründung führte das Gericht an, dass die Vereinbarung zwischen der Internet-Plattform und dem Crowdworker nicht die Eigenschaften eines Arbeitsverhältnisses erfülle, weil die oben genannten Voraussetzungen für ein Arbeitsverhältnis in dieser Vereinbarung mangels Weisungsgebundenheit oder Leistungsverpflichtung nicht vorlägen. Aus diesem Grunde griffen auch die Vorschriften zur Kündigung hier nicht, so dass die Vereinbarung zwischen dem Crowdworker und der ihn beauftragenden Internet-Plattform wirksam durch eine E-Mail beendet werden konnte.

Dieses Urteil dürfte bei Arbeitsrechtlern und Gewerkschaften für schlaflose Nächte sorgen, festigt es doch einen Trend, der nach den USA auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Das Crowdworking ist für Unternehmen eine einfache Möglichkeit, Aufgaben auszulagern, jedoch zahlen die Crowdworker ihre Flexibilität und Ortsunabhängigkeit mit dem Verlust ihrer Arbeitnehmerrechte.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung haben die Richter die Revision zum Bundesarbeitsgericht zugelassen.

Wir werden Sie natürlich über die weitere Entwicklung dieses Rechtsstreits auf dem Laufenden halten.

(Quelle: Pressemitteilung vom 04.12.2019 zum Urteil des LAG München vom 04.12.2019, 8 Sa 146/19)


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